Narrenspiele und Narrenlieder
Das Närrische des Narrentums liegt ja eigentlich in seiner Gottlosigkeit, also im aussichtslosen Versuch des Menschen, allein durch die Kraft der Vernunft und des Intellekts die Welt und das Leben zu begreifen.
no. 205
2007
90x40cm
ei!
am anfang war das huhn
ein fisch mit streifen
steine im aquarium
am anfang war die brust
spiegelei
realitätsverlustgewinn
narrentum
du siehst immer die idee von wirklichkeit
die an sich eine ganz andere ist
wahrheit
auch die deine
gibt es
so gesehen
nicht
no. 206
2007
90x40cm
was ist es
das die dinge beim namen nennt?
wer setzt die zeichen?
was denkt und schreibt?
wer sitzt und rennt?
allein der leib?
was fühlt und leidet?
wer versucht zu begreifen?
wer lacht und weint?
wer denkt sich nichts dabei?
wer ist es der all dies schreibt?
was ist es das mich treibt?
no. 207
2007
80x40cm
narrentum
im spiel der zeit
kein haften an den dingen
alles geben
hier und jetzt
nichts von sich weisen
weder zukunft noch vergangenheit
es gibt nichts
zu verstehen
gedanken kreisen
in sich selbst
erinnerung
ist nie
wirklichkeit
bilder
kommen und gehen
hüllen
der vergänglichkeit
im narrenspiel
der zeit
no. 208
2007
69x70cm
fremdes
erinnerung
an wesen
die niemand kannte
hüllen
der vergänglichkeit
von zauberhand getragen
lebensleid
das vielleicht brannte
liebeslied
der wirklichkeit
geheimnisvolle dinge
wie vergessen
in der zeit
namenloses narrenspiel
geschichten
die das leben schreibt
no. 209
2007
51x51cm
narrenspiel
um huhn und ei
die frage bleibt bestehen
auf
dass das leben antwort sei
alles andere
wird vergehen
no. 210
2007
51x51cm
steine
vielleicht
ich
denke nicht
vielleicht licht
das sich in feldern bricht
als die idee
von wirklichkeit
die wesentlich
eine ganz andere ist
vielleicht auch nicht
einfach steine
ich
weiss es
nicht
no. 211
2007
69x70cm
formen
im narrenkleid
wie gut und böse
himmel und hölle
schwarz und weiss
es lässt sich so gut denken
doch schau
wie die natur es macht
licht und schatten
tag und nacht
unendlich viele
zwischentöne
das leben lässt sich
nicht
beschränken
no. 212
2007
51x51cm
kaum
dass wir
die dinge
beschreiben
ordnen und benennen
scheinen wir
uns
im namenlosen narrenspiel
dieser einen welt
bestens
auszukennen
no. 213
2007
69x70cm
weil ich es gesehen habe
glaube ich es zu kennen
doch ich sehe nicht
weil alles was ich kenne alltag und gewöhnlich ist
weil ich davon gehört habe
glaube ich es zu wissen
doch ich höre nicht
weil alles was ich weiss antwort und vergangen ist
weil ich es gedacht habe
glaube ich es zu können
doch ich kann es nicht
weil alles was ich dachte
sah und wusste
nicht ist
no. 214
2007
51x51cm
nichts ist
lüge
nichts ist
schein
narrenspiele
sonderbar
licht und schatten
spiegeleien
nichts ist
wahr
alles ist wirklich
nichts ist
wahn
narrenkram
nichts ist
klar
wunderbar!
no. 215
2007
51x51cm
weil
die liebe
so ist
sehe ich
tausend dinge
jedes steht für sich
ich schaue
wie die dinge singen
tausend klänge
höre ich
alles will sich
mit allem binden
weil
so
die liebe
ist
no. 216
2007
69x70cm
in anbetracht der dinge
ihrem klang
dem schein der vielen farben
lässt sich vielleicht sagen:
hier und jetzt stehen wir und sehen
das narrenspiel des seins
die vielen fragen
auf die wir alle keine antwort haben
no. 217
2007
93x93cm
du
fragst
was bleibt
ich
weiss es nicht
ein lied
vielleicht
hüllen
licht
vergänglichkeit
im narrenspiel der zeit
du weinst
weil du weisst
es gibt nichts zu tun
nichts
zu begreifen
und
leben
lernen zu sterben
heisst
no. 218
2007
80x40cm
achtsam beginnen
hier und jetzt
es gibt nichts zu begreifen
nicht suchen
vielleicht finden
was ohne anfang ist
es gibt nichts
zu verstehen
absichtslos zum ziel
hier und jetzt
verbinden
was immer schon verbunden ist
vielleicht sehen
wie es ist
das narrenspiel
der liebe
no. 219
2007
69x70cm
manchmal
ist mir
als würde ich verstehen
es
ist alles
das ich
der narr
im kleinen boot
manchmal ist mir als ob
die dinge alles wären
es droht das nichts
die angst
der tod
ist alles
erfüllung
sinn und ziel
anfang
ende
narrenspiel
no. 220
2008
69x70cm
kaum dass wir die dinge beschreiben
ordnen und benennen
scheinen wir uns
im namenlosen narrenspiel dieser einen welt
bestens auszukennen
no. 221
2008
103x37cm
schau
ein klang
wohnt in den dingen
wie glocken und sternenstaub
wie die eine melodie unendlich vieler lieder
die in der stille singen
es gibt nichts zu begreifen
lass das denken fahren
es ist viel zu laut
no. 222
2008
103x36cm
schwarz
weiss
tanz der dinge
zwischen licht und dunkelheit
ein wirrer traum um leid und glück
liebe und vergänglichkeit
rhythmus
ist die melodie des geistes
stille
am puls
der wirklichkeit
no. 223
2008
131x35cm
schau
in jedem jetzt liegt schon ein anderes
jedes jetzt ist schon vorbei
nichts ist von dauer
sowie das leben leben zeugt
ohne ende
wird deine zukunft vergänglich sein
hüllen bleiben
vielleicht der wirre traum einer wirklichkeit
von kurzer
langer weile
in zeit und raum
no. 224
2008
103x103cm
weil
die liebe
so ist
sehe ich
tausend dinge
jedes steht für sich
ich schau
wie die dinge singen
tausend klänge
höre ich
alles will sich
mit allem binden
weil
so
die liebe
ist
no. 225
2008
69x70cm
wir glauben
zu sehen
wie die dinge sind
wir glauben
wenn wir denken
wir wüssten was wir tun
gedanken wehen wie der wind
wir glauben zu wissen
was gut und böse ist
wir glauben
zu verstehen wer wir sind
was sich lohnt
wir glauben
an die gesetze der natur
zwischen dunkelheit und licht
glauben wir zu lieben
wir fürchten
den tod
wir glauben nicht
no. 226
2008
69x70cm
es ist
wie es ist
das gesetz der zeit
die dinge
wollen getan sein
begonnenes wird vollendet
gefangenes befreit
entscheide dich
blaue liebe
weisheit des herzens
sein und schein
das leben
fragt nicht
no. 227
2008
103x103cm
rituale
des lebens
wie ein lächeln
in der stille
das sich in der liebe bricht
ruhend
in sich selbst
rituale im nichts
wie gefangen
in den formen der dinge
den farben des lichts
no. 228
2008
69x70cm
die welt ist
so
wie ich sie sehe
das bin ich
ich bin so wie die welt ist
ich bin nicht
die welt ist so wie du sie siehst
das bist du
du bist so wie die welt ist
die welt ist leer
die welt bin ich
ich bin du
ich
liebe dich
no. 229
2008
51x51cm
fragen
aus der zeit
fragen an das leben
an den tod
fragen über fragen
auch an den geist
ist alles
was ich weiss
no. 230
2008
103x103cm
tanzen
rhythmus
atem
der wirklichkeit
fremde kraft
will zum licht
gleiches verliert sich
in verschiedenheit
vielleicht auf dem weg zu sich selbst
es bleiben hüllen
geschichten
die das leben schreibt
erinnerung erlischt
stille zeugen
vom sein
in raum und zeit
no. 231
2008
51x51cm
schau
mein kind
du sollst nicht
nach dem morgen fragen
das leben trägt sich selbst
fernes ist oft ganz nah
du brauchst keine angst zu haben
deine zeit kommt nie
sie ist immer da
hier und jetzt
sag einfach
ja
no. 232
2008
103x103cm
spiegelei
sinnentleert
wie angehalten in der zeit
narrenspiel
um den stein der weisen
irrationalvernunftbegabte wirklichkeit
mit realitätsverlustgewinn
als ob unsinn
die methode wäre
mit virtuoser beliebigkeit
wie absichtslos
zum ziel
no. 233
2008
103x103cm
spielen
zeitverloren
die dinge lieben
den leisen klang der farben sehen
wie die kinder sich absichtslos im tun verlieren
immer jetzt alles wollen
selbstvergessen glücklich sein
das leben ist schön
einfach spielen
no. 234
2008
51x51cm
schön
ist
wie die dinge
scheinen
schön zu sein
schlicht
wie auch immer
schönheit
ist
es gibt nichts zu begreifen
nichts
ist schön allein
die harmonie der dinge
in farbe
form und klang
wie ein lied
der liebe
der schönheit
der seele
gesang
Der Narr ist jener Kerl mit der Schellenkappe, der am Hofe des Königs schlaue Sprüche klopft, den Leuten den Spiegel vorhält und Purzelbäume schlägt zur allgemeinen Belustigung. Er hat Geisteskraft, Durchblick und Witz, ist schlau und vielleicht auch ein bisschen weise. Ein Tunichtgut und Traumtänzer, der sich in einem von der Gesellschaft tolerierten Rahmen, ausserhalb deren Regeln und Gewohnheiten bewegen darf und soll.
Die Figur des Narren entspricht auch dem suchenden Menschen, der auf seinem Weg der Bewusstwerdung Grenzen der Gewohnheiten und Konventionen überschreiten muss. Es liegt in der Sache der Natur, dass er sich dabei sozusagen immer wieder neu zum Narren macht. Hier liegt auch die Ambivalenz begründet, die dieser Figur innewohnt: Zum einen ist er der einsame Held, der irgendwie immer recht behält, wobei er Dinge ausspricht und tut, die der allgemeinen Auffassung, oder dem Zeitgeist widersprechen. Zum anderen ist er der Teufel, weil er mit seinem frechen Gehabe oder den sogar boshaften Narrenspielen die Dummheiten, Laster und Übeltaten der Menschen anprangert. Ein gutes Mundwerk, Geschick und vordergründige Torheit schützen ihn teilweise vor Intoleranz, Vergeltungsmassnahmen und dem Zorn der Angegriffenen.
Letztendlich ist es die alte Geschichte von Adam und Eva, die im Drama des Narren mitklingt. Durch ihren Griff nach dem Apfel der Erkenntnis wurden sie aus dem Paradies verstossen. Der Narr ist der gottlose Adam, der gewissermassen verwirrt durch das allein vom Intellekt auf ewig undurchschaubare Rätsel des Lebens stolpert. Bei aller nicht selten dämonisch anmutenden Brillanz, ist es jedoch die Liebe, die dem Narren fehlt und so werden seine Heldentaten Pyrrhussiege bleiben auf seinem schmerzlichen Weg der Bewusstwerdung durch die Menschheitsgeschichte.
Das Närrische des Narrentums liegt ja eigentlich in seiner Gottlosigkeit, also im aussichtslosen Versuch des Menschen, allein durch die Kraft der Vernunft und des Intellekts die Welt und das Leben zu begreifen.
Narrenspiele und Narrenlieder umfasst einen Zyklus von 30 Bildern und Texten, die alle in den Jahren 2007 und 2008 entstanden sind. Der daraus entstandene Kunstband ist leider vergriffen.