Über mich
Im Herbst 1963 geschah es mir, dass ich in dieses Leben gepresst und gezogen wurde. Die Details zu dieser erschütternden Erfahrung hat meines Wissens keiner anschaulicher beschrieben als Robert Seethaler in seinem wunderbaren Roman: «Jetzt wird's ernst». Von diesem langen, furchtbar schmerzhaften und beinahe letzten Tag im Leben meiner lieben Mutter liess ich mir erst viel später erzählen. Ich wog 4300 Gramm! Da lag ich dann also im grellen Neonlichterschein des Geburtssaales: Allein, riesig, blau und verformt…- das Leben hatte mich!
Soweit ich mich erinnern kann, verbrachte ich nach diesem eher holprigen Start eine unbeschwerte Kindheit und Jugend im schönen Schweizerland der 1960er und 1970er-Jahre. Hungersnöte und Kriege fanden anderswo statt. Es gab den Borkenkäfer und das Ozonloch und autofreie Sonntage. Tiefergreifende Informationen zum Klimawandel, oder Hinweise darauf der «Generation Babyboomer» anzugehören, sowie zu anderen schwierigen Dingen und den eigenen Traumata folgten erst viel später.
Schule fiel mir meist eher leicht, langweilte und ermüdete mich oft und beantwortete kaum Fragen die mich wirklich interessierten. Wie konnte es sein, dass das «Woher, Wozu und Wohin» des Lebens und das damit verbundene Treiben der Seele, oder das Problem mit Gott und der Unendlichkeit des Universums, mehr oder weniger ignoriert wurden? Solcherlei musste nach meinem Empfinden doch geklärt werden!
Es waren die Sinnfragen die mich vor allen Dingen immer umtrieben. Mit zunehmender Verwunderung beobachtete ich die alltägliche Selbstverständlichkeit mit welcher so viele Menschen Hochzeiten feierten, Familien gründeten, älter wurden und starben und wie leicht es zu sein schien das Dasein fraglos hinzunehmen und einfach zu leben. Mit Befremden staunte ich - und frage mich bis heute, wie es sein kann, dass alle wissen wo es lang geht, wenn doch niemand von uns den Weg, noch das Ziel kennen kann?
Meistens erlebe ich mich als Teil vom grossen Ganzen. Es war und ist ein Grundklang in meinem Lebensgefühl der mich dankbar sein lässt. Auch die Menschen liebe ich irgendwie, trotz all ihrer Gier, dem Neid, der Missgunst und der damit verbundenen Gewalt an allem Lebendigen.
Alles Weitere ergab sich irgendwie von selbst: Ich lebte und liebte, ass und trank, jagte und sammelte. Ich erfuhr Lust, Schmerz und Leid. Ich feierte Hochzeiten, gründete eine Familie und wurde älter. Ich lernte, dass es Fragen gibt, die nur das Leben und im Besonderen vielleicht die Spiritualität, die Kunst und die Liebe beantworten können.
Ich bin Autodidakt. Mein Leben will erfahren werden Es ist für mich erfüllend und sinngebend die Dinge selbst zu entdecken – dann, wenn die Zeit dafür reif ist.
Das Glück der Welt steht allen Menschen zu. Es kann nicht sein, dass mich Geburtsrechte und Eigenschaften, die mir geschenkt wurden irgendwie auszeichnen und vor anderen berechtigen. Stolz zu sein auf meine Fähigkeiten, meine eigene Leistung, oder gar meine Nationalität und mein Aussehen, ist eine Empfindung die mir fremd ist. Ich mag die Vorstellung «für die kurze Zeitspanne eines Lebens im Raumschiff Erde unterwegs zu sein». Es ist ein Bild, das mir hilft, mir der gegenseitigen Abhängigkeiten bewusst zu sein und mich dementsprechend zu verhalten.
Vielleicht besteht die Lebenskunst vor allen Dingen darin, im Spannungsfeld zwischen der Vollkommenheit der Schöpfung und dem gewalttätigen Wahnsinn unserer Spezies achtsam zu bleiben und sich die Fähigkeit zu bewahren, die Schönheit und das Wunder des Lebens wahrzunehmen.
Arbeitsweise
Der Reiz des Malens liegt für mich auch darin auf das innere Geschehen Einfluss nehmen, den inneren Raum mitgestalten zu können: Es ist die fortlaufende Arbeit an mir selbst. Es ist ein Versuch dem Unsichtbaren näher zu sein. Die Malerei kann den äusseren Raum niemals befriedigend abbilden. Das wirkliche Bild existiert nur im Betrachter. Wir gestalten unser Leben wesentlich aus den inneren Bildern.
Indem wir den Dingen Namen geben, glauben wir sie zu kennen - d.h. wir verbinden diese unwillkürlich mit unseren Vorstellungen, die wir von ihnen haben. Im Prozess des Malens versuche ich aber etwas von der Wirklichkeit der Dinge zu erfassen, was bedeutet die Dinge möglichst unvoreingenommen zu betrachten.
Meine Malerei lehrt mich Achtsamkeit: Hinschauen, Präsenz, Konzentration, Geduld und Sorgfalt im Handwerk.
Oder vielleicht auch so wie Jack Kornfield von Claude Monet erzählt, der fünfundreissig Jahre in Giverny lebte, wo er jahraus jahrein täglich immer wieder die Seerosen malte: “Jeden Tag unvoreingenommen angehen – darin besteht der Anfängergeist. Alles andere ergibt sich wie von selbst.”
Die Objekte meiner foto - und hyperrealistischen Gemälde fotografiere ich alle selbst in meinem kleinen Studio. Das Spiel mit Licht, Schatten und Spiegelungen während diesem Teil der Arbeit liebe ich fast genauso wie den Prozess der Malerei.
Über viele Jahre hinweg ist es mir gelungen eine eigene Bildsprache aufzubauen. Immer wieder suche und finde ich neuartige Bildräume, die dann in Zyklen mit manchmal über achtzig Werken das universelle Thema der Suche des Menschen nach sich selbst behandeln.
Ich male mit den Farben rot, blau, gelb, schwarz und weiss in Acryl auf Pressspanplatten. In unserer Zeit sind die Techniken der Bildgestaltung grenzenlos. Ich entscheide mich auch hier bewusst für einfache Mittel, um mich nicht in den Möglichkeiten zu verlieren.